Hyperthermie in Ergänzung zur Radiotherapie

Verschiedene Mechanismen sind für den nachgewiesenen Effekt der Hyperthermie in Kombination mit der Strahlentherapie verantwortlich. Die Hyperthermie verstärkt die Strahlentherapie. Dies wird durch zahlreiche vergleichende Studien belegt. In-Vivo Studien haben gezeigt, dass der Effekt der Strahlentherapie durch die Hyperthermie um den Faktor 1,2 bis 5 verstärkt werden kann.

(1) Hypoxie
Die Strahlentherapie ist umso effektiver je höher der Sauerstoffanteil im Zielgebiet ist. Die durch die Bestrahlung erzeugten freien Sauerstoffradikale schädigen die DNA. Dieser Effekt ist in vielen Versuchen klar belegt.

Ideal zur Erreichung einer höheren Sauerstoffanreicherung im Tumorgebiet durch Durchblutungsförderung ist eine moderate Hyperthermie in engem, zeitlichem Abstand vor der Strahlentherapie.

(2) Hemmung der DNA Reparaturmechanismen
Jede lebende Zelle hat Automechanismen, die DNA Doppelstrangbrüche wieder zu reparieren. Wenn nun nach der beschriebenen Schädigung eine Zelle zusätzlichem Stress ausgesetzt ist, werden diese Reparaturmechanismen deutlich gestört. Hitze ist ein solcher, möglicher Stressfaktor. Somit wird erreicht, dass der gewünschte Effekt der Strahlentherapie im Zielgebiet verstärkt wirkt („fix the damage“).

(3) komplementäre Sensitivitäten
Zellen im hypoxischen und im niedrigen pH-Bereich sowie Zellen in der S-Phase sind weniger ansprechend auf die Strahlentherapie – umso mehr sprechen sie aber auf die oben dargestellten Effekte der Hyperthermie an. Es ergibt sich hier ein komplementärer Effekt

Zusammenfassend ist die Hyperthermie wahrscheinlich der potenteste Radiosensibilisator, der zur Zeit bekannt ist.

(z.B.: N.R. Datta, S. Gómez Ordóñez, U.S. Gaipl b, M.M. Paulides c, H. Crezee, J. Gellermann, D. Marder, E. Puric, S. Bodis; May 2015)