FAQ

Fragen zum Verfahren der loko-regionalen Tiefen-Hyperthermie und der Celsius TCS Modalität.

Welche Formen der Hyperthermie gibt es?

Eine sinnvolle Unterscheidung differenziert zunächst zwischen aktiver und passiver Hyperthermie. Bei der aktiven Hyperthermie, auch als Fiebertherapie bezeichnet, geht es darum, durch Bakterientoxine oder Einwirkung auf Cytokine eine Erhöhung der Körpertemperatur auszulösen.

Der Begriff „Hyperthermie“ wird heute dagegen meist im Sinn der passiven Hyperthermie verwendet, bei der Wärme extern zugeführt oder induziert wird. Man unterscheidet hier:

a. Ganzkörperhyperthermie
zur Behandlung von Tumoren/ Metastasen die sich in mehreren Organen ausgebreitet haben oder systemischen Tumorerkrankungen

b. Oberflächenhyperthermie
zur Behandlung von Hauttumoren und -metastasen (geeignet zur Behandlung mit Celsius TCS)

c. loko-regionale Tiefenhyperthermie
zur Behandlung von soliden Tumoren in Organen wie Leber, Lunge, Gehirn, im Beckenbereich u.a. (geeignet zur Behandlung mit Celsius TCS)

d. Perfusionshyperthermie
zur hyperthermen Perfusion von metastasenbehafteten Hohlorganen oder Hohlräumen

e. interstitielle Thermotherapie
gezielte Spezialverfahren

Bei welcher Art von Tumoren ist das Celsius TCS einsetzbar?
  • Brusttumor (Mammakarzinom)
  • Brustwandtumor
  • Beckentumor
  • Tumor an Extremitäten
  • Rektum-/ Prostatakarzinom
Was sind Kontraindikationen der loko-reginalen Tiefen-Hyperthermie?

Folgende Kontraindikationen sind derzeit bekannt:

Schwangere Patienten
Es liegen keine Auswertungen der Wirkweise der Hyperthermie bei Schwangeren vor. Ein Ausschluss ist zwingend notwendig, da die Risiken für den Embryo und die Schwangere nicht bekannt sind.

Metallische Implantate im Behandlungsbereich
Patienten mit metallischen Hüft- oder Kniegelenksersatz und/oder Schrauben, mit eingewachsenen Metallsplittern oder Kugeln oder mit metallischen Zahnimplantaten können in der Umgebung des Metallimplantates Verbrennungen bekommen, da sich besonders Metalle unter Einwirkung der energiegeladenen Radiowellen übermäßig aufheizen. Tumorlage, Region und loko-regionale Tiefenhyperthermie müssen dann entsprechend eingeschätzt werden.

Herzschrittmacher
Herzschrittmacher und andere Schrittmacherelektroden sind abzufragen, da es nicht auszuschließen ist, dass die Elektronik der Schrittmacher gestört wird und infolgedessen Funktionsstörungen auftreten können.

gestörte Temperaturwahrnehmung
Patienten mit einer gestörten Temperaturwahrnehmung (z.B. nach einem Schlaganfall oder unter Schmerzmittel) bedürfen einer besonderen Beobachtung. Das Überwärmungsgebiet muss dabei immer wieder kontrolliert werden (z.B. Schweißansammlungen vermeiden: kann zu Brandblasen auf der Haut führen aber auch auf den Kreislauf und das allgemeine Befinden des Patienten).

Instabiler Kreislauf
Es ist eher eine relative Kontraindikation, da diese Therapieform für den Gesamtorganismus nur wenig belastend ist. Trotzdem sollten Patienten mit instabilem Kreislauf engmaschiger kontrolliert (RR-Messung) werden, da nach der Therapie beim Aufsitzen der Kreislauf instabiler (niedriger) sein kann.

Patienten mit einer Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation
Die Behandlung mit dem Celsius TCS Gerät darf nicht bei Patienten angewendet werden, die knochenmarktransplantiert sind.

Offene Wunde im Behandlungsbereich
Patienten mit offenen Wunden im Behandlungsbereich dürfen nicht behandelt werden.

Narbengewebe, geschädigte Hautpartien im Behandlungsbereich
Während der lokalen Hyperthermie kann es durch Energieabsorption im Unterhautfettgewebe zu Fettgewebsverbrennungen bzw. Fettgewebsfibrosen kommen. In der Regel ist eine lokale Kühlung bzw. lokale Schmerztherapie ausreichend.

Epilepsie
Bei Patienten mit einer Epilepsie ist eine kontinuierliche Kontrolle erforderlich, da ein Epilepsieanfall auch während der Hyperthermie-Sitzung nicht auszuschließen ist.

Patienten unter Anaesthesie
Patienten in Narkose dürfen unter keinen Umständen behandelt werden. Ein seditierter Patient hat ein deutlich herabgesetztes Schmerzempfinden. Generell sollte der Patient ansprechbar sein und kontinuierlich vom Fachpersonal überwacht werden. Die Therapieempfehlungen können unterstützend hinzugenommen werden.

Ist die Behandlung schmerzhaft und mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?

Im Gegensatz zu Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie ist die Hyperthermie nahezu nebenwirkungsfrei. Im Gegenteil: Patienten fühlen sich während der Behandlung durch den als beruhigend empfundenen Einfluss der Wärme oftmals wohl und bekunden dies. Es wird immer wieder von „zur Ruhe kommen“ und Entspannung berichtet.

Nach der Therapie kann es zu einer gewissen Müdigkeit kommen. In seltenen Fällen können leichte Fieberschübe in Folge eines vermehrten Absterbens bösartiger Zellen auftreten. Generell ist dies jedoch als positives Zeichen des Körpers zu bewerten.

Patienten mit einer gestörten Temperaturwahrnehmung (z.B. nach einem Schlaganfall) müssen während der Therapie gezielt beobachtet werden. Das Überwärmungsgebiet muss dabei immer wieder kontrolliert werden (z.B. Schweißansammlungen vermeiden; Schweiß kann sich übermäßig aufheizen und zu Brandblasen auf der Haut führen).
Ansonsten hat jeder Patient einen Tastschalter zur Hand, mit dem er bei einem eventuellen unbehaglichen Wärmeempfinden jederzeit die Behandlung pausieren kann.

Warum ist die loko-regionale Tiefen-Hyperthermie als komplementäres Verfahren zur Strahlentherapie geeignet?

Verschiedene Mechanismen sind für den supra-additiven Effekt der Hyperthermie in Kombination mit der Strahlentherapie verantwortlich. Der additive, komplementäre Effekt der Hyperthermie ist auf die höhere Hitzeempfindlichkeit von Zellen in der S-Phase zurückzuführen, welche beide relativ radioresistent sind. Hyperthermie kann außerdem eine erhöhte Durchblutung bewirken, die zu einer Steigerung der Oxygenierung des Gewebes führt, was in einer erhöhten Radiosensivität resultiert. Deshalb ist es am besten, wenn die Hyperthermie vor oder während der Radiotherapie durchgeführt wird; alternativ kann die Hyperthermie auch unmittelbar nach erfolgter Bestrahlung erfolgen.

Hyperthermie verstärkt zytotoxische Strahleneffekte, insbesondere durch die Interferenz mit dem zellulären Reparatursystem infolge Denaturierung der DNA. In-vivo-Studien haben gezeigt, dass der Effekt der Strahlen-therapie durch die Hyperthermie um den Faktor 1,2 bis 5 verstärkt werden kann. Wahrscheinlich ist die Hyperthermie der potenteste Radiosensibilisator, der zurzeit bekannt ist.

Loko-regionale Hyperthermie als ergänzende Therapie der Strahlentherapie

Der wesentliche Wirkmechanismus der Strahlentherapie liegt darin, dass die ionisierende Strahlung freie Sauerstoffradiale erzeugt, die ihrerseits die DNA der Tumorzellen angreifen. Sauerstoffarme Zellen sind dreimal resistenter gegen Gammastrahlen als normale Zellen. Hier kann die Hyperthermie ergänzend helfen. Aufgrund der Erwärmung des Gewebes kommt es zu einer erhöhten Durchblutung und in der weiteren Folge zu einer höheren Sauerstoffanreicherung im betreffenden Gewebe.
Ein weiterer wesentlicher Effekt ist die Hemmung der körpereigenen DNA und Reparaturmechanismen der Krebszellen, denn die Wärme setzt Hitzeschock-Proteine frei. So ist die Hyperthermie heute die vermutlich wirkungsvollste Unterstützung der Strahlentherapie.

Warum ist die loko-regionale Tiefen-Hyperthermie als komplementäres Verfahren zur Chemotherapie geeignet?

In der Regel wird die Hyperthermie parallel zu einer Chemotherapie durchgeführt. Die Hyperthermie erzielt in der Regel eine Wirkungsverstärkung der Chemotherapie am Tumor.

Der wohl wesentliche Grund hierfür ist die Tatsache, dass kapillare Gefäße im Tumorgewebe in der Regel keinerlei Muskelschicht (Steelphänomen) besitzen und somit nicht in der Lage sind, sich im Gegensatz zu den Mikrogefäßen im angrenzenden gesunden Gewebe bei Überwärmung auszudehnen.
Da zum Zeitpunkt der Chemotherapie unter normalen Temperaturbedingungen zunächst ein größerer Blutfluss im Tumorgewebe gegeben ist, werden die Zytostatika im Tumorgewebe auch verstärkt angeflutet. Durch die dann folgende gezielte Überwärmung der Tumorregion und des angrenzenden gesunden Gewebes verändern sich die Durchblutungsverhältnisse so, dass im Tumorgewebe die Arzneimittel weniger ausgespült werden können, wobei gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe nun stärker durchblutet wird und somit die Zytostatika hier auch verstärkt wieder abtransportiert werden können.

Des Weiteren wird die Durchlässigkeit der tumorösen Kapillargefässe durch den insuffizienten (fehlerhaften) Wandaufbau unter Wärmeeinwirkung verstärkt und somit die Aufnahme der Zytostatika durch die Krebszellen beschleunigt.

Im Einzellfall kann sogar eine bislang unwirksame Chemotherapie begünstigt durch die Hyperthermie so doch eine Wirksamkeit entwickeln.

Loko-regionale Hyperthermie als ergänzende Therapie der Chemotherapie

Bestätigt durch die Ergebnisse neuerer Studien konnte gezeigt werden, dass Hyperthermie eine signifikante stärkere Wirkung, verglichen zur reinen Chemotherapie, entfaltet (bspw. Issels 2007 bei Sarkomen; Jones 2007 beim Mamma-CA u.a.).

Die Technik der loko-regionalen Tiefenhyperthermie erzielt eine Erwärmung der Tumorzellen mittels hochfrequenter Wellen und beeinflusst den Stoffwechsel der Zellen und der extrazellulären Umgebung.

Hierdurch wird der Zellstoffwechsel der Krebszellen stellenweise so erheblich verändert, dass es zu selbst programmierten Zerstörungen kommen kann (sog. Apoptose).

Eine Tumorerwärmung, so wurde inzwischen vielfach belegt, führt zur Wachstumshemmung von Tumorzellen und kann zur Tumorverkleinerung bis hin zu völliger Tumorheilung führen.

Bezahlen die gesetzlichen Kassen eine Celsius TCS Behandlungsserie?

Da es sich bei der lokoregionalen Elektro-Tiefenhyperthermie um eine innovative und neue Therapieform handelt, besteht gemäß § 12 des Deutschen SGBV noch keine Leistungspflicht der Krankenkassen. Es kann jedoch ein Antrag auf Erstattung gestellt werden. Nach einem BGH-Urteil vom Herbst 2006 * wurde eine Kasse in dem betreffenden Einzelfall sogar verpflichtet, die Kosten der Behandlung zu übernehmen. Die Kosten für die lokoregionale Tiefenhyperthermie werden sonst üblicherweise nach dem einfachen Satz der GOÄ berechnet (nach GOÄ-Ziffer 5854 (145,14 Euro) je Behandlungssitzung).

* Link zum Urteil „1 BvR 347/98“ oder Download des Urteils als PDF

Was ist der wesentliche Vorteil des Celsius TCS-Systems gegenüber konkurrierenden Verfahren?

Celsius TCS arbeitet nicht auf Mikrowellen-Basis, sondern verwendet eine Trägerfrequenz von 13,5 Mhz. Diese ist technisch grundsätzlich in der Lage, auch tiefere Schichten im Körpergewebe mit einem Temperatur-Impact zu erreichen, ohne mit aufwendigen Antennen-Arrays arbeiten zu müssen.
In der Verwendung zweier aktiver Elektroden, die in Grösse, Leistung und Kühlung auf das individuelle Zielgebiet angepasst werden können, gelingt es konstruktiv auch, tiefergelegene Regionen wirkungsvoll zu erreichen.

Haben Sie Referenzen?

Bei Interesse können wir mit Ihnen gerne einen Referenzbesuch bei einem unserer Kunden arrangieren. Kontaktieren Sie uns einfach.

Inwieweit lässt sich Celsius TCS in einen organisatorischen Ablauf einbinden?

Celsius TCS ist entstanden aus einer profunden Kenntnis der Anforderungen auch in ablauforganisatorischer Hinsicht. Es gibt eine Workflow-Übersicht, die in übersichtlicher Weise alle Patienten in einer aktiven Behandlungsphase zum schnellen Aufruf darstellt. Darüber hinaus wird eine medizinische Dokumentationsmöglichkeit mitgeliefert, die alle relevanten Parameter erfasst und festhält. Wo immer möglich, werden Daten von der Celsius TCS Modalität selbst abgegriffen, um so die Eingaben von Anwenderseite auf ein Minimum reduzieren zu können und gleichwohl alle relevanten Behandlungsparameter speichern zu können.

Hat Celsius TCS eine gültige CE-Kennzeichnung nach Medizinproduktegesetz?

Ja, Celsius TCS ist zertifiziert in der strengeren MPG Klasse IIb und hat eine entsprechende CE-Kennzeichnung. Diese CE-Zertifizierung kann auf diesen Internet-Seiten eingesehen werden.